Der ultimative Vergesellschaftungs-Guide

Vergesellschaftung
Neben bösen Erkrankungen gehören Vergesellschaftungen wohl zu den schlimmsten Phasen in der Frettchenhaltung. Aufgrund fehlender Informationen und falschen Einschätzungen müssen viel zu viele Frettchen unglaubliche Horrorszenarien durchleben. Sei es aufgrund einer Zwangsvergesellschaftung oder der quälenden Einzelhaltung. Bei Aussagen einer vermeintlichen „Frettchenkoryphäe“, dass Frettchen Einzelgänger sind und Gruppenhaltung eine Qual für die Tiere ist, kann ein erfahrener Frettchenhalter nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

In den seltensten Fällen erlebt man eine „Traumvergesellschaftung“. Dies ist eine Vergesellschaftung, die eigentlich keine ist. Die Tiere verstehen sich auf Anhieb, es gibt keinerlei Konflikte oder Rangeleien. Sofort wird sich gegenseitig geputzt und miteinander gekuschelt. So würde man sich jede Vergesellschaftung wünschen, leider ist dem nicht so. In den meisten Fällen läuft es weniger harmonisch ab.
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Muckern, Kreischen, Fauchen, Jagen, Angsthaufen, Kämpfen, Stinkbomben, Krokodilrollen und Festbeißen sind völlig normale Verhaltensweisen bei der Zusammenführung von Frettchen. Das schwierige ist, zu erkennen, ab wann die Intensität dieses Verhaltens zu stark ist und ein Abbruch zum Wohle der physischen und psychischen Gesundheit angebracht ist. Um diese Entscheidung richtig treffen zu können, bedarf es einiges an Erfahrung und Feingefühl. Für den Unerfahrenen Halter können Vergesellschaftungen wie „Mord und Totschlag“ aussehen, weshalb viele verfrüht abgebrochen werden. Dies führt nicht nur zu unnötigem Stress für die Tiere, sondern auch zu unerwünschten Assoziationen in Hinsicht auf das Aufeinandertreffen mit anderen Frettchen. Wenn eine Vergesellschaftung mehrmals abgebrochen wird, weil das Frettchen zum Beispiel minutenlang schreit, lernt es mit dieser Aktion eine gewünschte Reaktion hervorzurufen. Bei dem nächsten Versuch einer Vergesellschaftung wird das Frettchen erneut herzzerreißend schreien, um der unangenehmen Situation aus dem Weg zu gehen, obwohl die Tiere vielleicht gut zusammengepasst hätten.
Die richtige Vorgehensweise
Vor dem ersten Kontakt der Frettchen kann bereits versucht werden, die anstehende Vergesellschaftung positiv zu beeinflussen. Unbekannte Räumlichkeiten, in denen von keiner Partei Territorialansprüche herrschen, eignen sich hervorragend für das erste Aufeinandertreffen. Ist diese Möglichkeit nicht gegeben, kann ein bereits bekannter Raum verwendet werden. Dieser sollte, bevor das Aufeinandertreffen stattfindet, gründlich gereinigt werden, um möglichst viele alte Gerüche zu entfernen. Es wird gewischt, alle Kuschelsachen werden gewaschen und sonstige Maßnahmen für eine „Neutralisierung“ des Reviers getroffen.

Versteckmöglichkeiten sind wichtig, müssen aber mit Bedacht gewählt werden. Grundsätzlich ist darauf zu achten, dass jede Höhle oder Ähnliches mindestens zwei Ein- und Ausgänge hat, damit immer eine Fluchtmöglichkeit besteht. Bei Vergesellschaftungen mit mehreren Tieren können bei Bedarf auch noch mehr Ein- und Ausgänge nötig sein. Dies muss im jeweiligen Einzelfall entschieden werden. Gleiches gilt für Röhren. Sie können ein gutes Versteck und sicherer Zufluchtsort sein, können sich jedoch auch als Falle herausstellen, wenn ein ängstliches Frettchen von zwei anderen Tieren in einer Röhre eingeschlossen wird.

Der nächste Schritt vor dem Zusammensetzen ist das Erkunden der unbekannten Räumlichkeiten. Mindestens für eine Partei ist die Räumlichkeit völlig unbekannt. Hierzu ist es nötig, dass das neue Frettchen für 10-30 Minuten in der neuen Räumlichkeit laufen kann. Nun kann in aller Ruhe der Grundriss und mögliche Verstecke erkundet werden. Dies ist sehr wichtig, wenn es zu einem Gerangel mit anschließender Flucht kommt. Gleiches gilt natürlich auch für die alten Frettchen, wenn das Kennenlernen in keinem gewohnten Bereich stattfindet.
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Erstes Aufeinandertreffen
Nun ist es soweit, die Frettchen werden zusammengesetzt. Als erstes wird sich gegenseitig beschnuppert und es wird gemuckert, als würden Maschinengewehre abgefeuert werden. Zwischendrin wird auch gerne gefaucht. Die nächste Reaktion ist ein Festbeißen im Nacken mit anschließendem Schütteln oder Rollen, sowie grauenvollem Gekreische. Diese Reaktionen können sowohl vom neuen als auch vom alten Tier ausgehen. Anschließend geht es mit dem Jagen los oder es wird weiterhin geschnuppert und gerangelt. Mittlerweile sind Stinkbomben geflogen, Angsthaufen wurden abgesetzt und beim Gerangel an die Wand geschleudert. Urinspritzer sind überall verteilt und es stinkt. Irgendwann stellt sich die Frage, ob nun weitergemacht wird und alle ins Frettchenzimmer gesetzt werden, oder ob man den Vergesellschaftungsversuch abbricht. Hier die nötigte Erfahrung und das geforderte Einschätzungsvermögen zum Einsatz. Ich kann hier kein spezielles Verhalten beschreiben, bei dem eine VG fortgesetzt oder abgebrochen werden sollte. Ein Extremfall bei dem stark über einen Abbruch nachgedacht werden sollte ist, wenn ein Frettchen die ersten 15 Minuten permanent aktiv gejagt wurde oder gezielt in Gesicht oder Hals (Todesbiss) gebissen wurde. Da Frettchenhaut leicht verschiebbar ist, kann ein Nackenbiss mit anschließender Rolle wie ein „Todesbiss“ aussehen, da die Nackenhaut bis zum Hals verschoben wird.
Verhalten und Eingreifen des Menschen
Um eine Vergesellschaftung nicht negativ zu beeinflussen, sollte niemals eingegriffen werden. Für die meisten Halter ist dies sehr schwer, da einem das „schwächere“ Frettchen sehr leidtut. Es ist von essenzieller Wichtigkeit, dass man sich an das Nichteingreifen hält, das stärkere Frettchen nicht maßregelt und das schwächere nicht tröstet. Zum einen ist ein Eingreifen im Gerangel sehr gefährlich, da die Frettchen im Eifer des Gefechts auch die menschliche Hand erwischen können und dort richtig Zubeißen. Zum anderen werden wieder ungünstige Assoziationen verknüpft, besonders bei dem stärkeren Frettchen. Ebenfalls lernen die schwachen Frettchen schnell, dass sie zum Menschen flüchten können und dort Unterschlupf erhalten. Dies wirkt sich selbstverständlich nicht positiv auf einen schnellen Vergesellschaftungserfolg aus. Sollte ein Eingreifen unabdinglich sein, bietet es sich an, ein Glas Wasser über die Kontrahenten zu schütten und im richtigen Moment zu trennen. Dies sollte jedoch nur passieren, wenn es tatsächlich nötig ist, zum Beispiel bei einer Eskalation der Situation oder schweren erkennbaren Verletzung. Anschließend wird die Vergesellschaftung ohnehin gescheitert sein. Bei etlichen Vergesellschaftungen musste ich dieses Mittel noch nie zum Einsatz bringen.

Ein vertretbares Mittel des Eingreifens gibt es. Dies erfordert viel Erfahrung, perfekte Situationseinschätzung und enormes Reaktionsvermögen. Hierzu wird das stärkere Frettchen gemaßregelt, wenn es zum „Angriff“ ansetzt. Das Zeitfenster für die Reaktion ist nur den Bruchteil einer Sekunde groß. Sollte man zu früh oder zu spät reagieren kann man enormen irreparablen Schaden an der Vergesellschaftung und dem Sozialverhalten des Frettchens anrichten.
Ein Beispiel für den richtigen Zeitpunkt wäre wie folgt. Das schwächere Frettchen schläft auf einer Decke und das stärkere Frettchen kommt dort hin. Es gibt nun verschiedene mögliche Szenarien die ablaufen können.
Das Frettchen schnuppert und/oder muckert lediglich und zieht dann wieder ab. Im Idealfall wird das schwächere Frettchen sogar wach, registriert das Verhalten des stärkeren und verbucht eine positive Erfahrung, da kein Angriff erfolgte.
Eine andere Möglichkeit ist, dass das stärkere Frettchen schnuppert und dann zubeißt. Hier kann nun eingegriffen werden, aber im richtigen Moment. Noch während dem Schnuppern richtet sich die Aufmerksamkeit des Frettchens in Richtung Nacken des schlafenden Tieres. Anschließend geht der Kopf des in kürze angreifenden Frettchens ein Stück zurück, um Spannung in der Muskulatur von Körper und Hals für den bevorstehenden Angriff aufzubauen. Das Maul wird leicht geöffnet um die Zähne in den Nacken zu verbeißen. Genau JETZT ist der richtige Zeitpunkt um mittels Zischen, Nein sagen oder Antippen das Frettchen auf ein unerwünschtes Verhalten hinzuweisen. Der gesamte Ablauf findet in weniger als einer Sekunde statt. Deshalb ist der Reaktionszeitraum auch nur einen Sekundenbruchteil, um einzugreifen. Dieses Eingreifen kann in weiteren Situationen angewendet werden, zum Beispiel, wenn die Tiere frontal aufeinandertreffen oder sich eines von hinten anschleicht. Wichtig ist immer, dass erst eingegriffen wird, wenn keine positive Entwicklung der Situation mehr möglich ist und das Timing zu 110 Prozent stimmt. Diese Methode sollte niemals am Anfang einer Vergesellschaftung angewendet werden. Eine Ausnahme stellt ein schwer zu vergesellschaftbares und extrem dominantes oder aggressives Frettchen dar.
Positive Verstärkung
Auch ohne aktiv Einzugreifen kann eine Vergesellschaftung positiv beeinflusst werden. Dies beruht auf dem Prinzip der „positiven Verstärkung“, eine Wunderwaffe bei der Erziehung von Mensch und Tier. Hierbei werden schöne Momente zwischen den Frettchen geschaffen. Sie dürfen zum Beispiel zusammen Vitaminpaste oder Eigelb schlecken. Leider kann man auch bei dieser, scheinbar einfachen Methode, schlimme Fehler begehen. Wichtig ist, dass die Frettchen sich niemals während dem schönen Erlebnis angreifen, natürlich auch nicht unmittelbar davor oder danach. Je nachdem wie die Situation der Frettchen ist, kann dieses Vorgehen unterschiedlich aussehen. Läuft es gut, können sie nebeneinander auf dem Boden sitzen und das Leckerli genießen. Es kann auch nötig sein, dass die Frettchen auf dem Schoß sitzen, frontal gegenüber, um eine unerwünschte Situation vor dem Entstehen unterbinden zu können. Manche Frettchen sind bereits so eingeschüchtert, dass sie sich nicht an das Leckerli trauen, wenn das andere Frettchen in der Nähe ist. In dieser Situation muss man behutsam verfahren und dem Frettchen versuchen die Angst zu nehmen. Es kann helfen zuerst das ängstliche Frettchen an das Leckerli zu lassen und anschließend das dominantere Tier dazuzusetzen. Auch kann das ängstliche Frettchen, nachdem das furchtlose Tier sich bereits an dem Gaumenschmaus vergnügt, in Ruhe an diesem schnuppern, ohne dass ein Angriff zu befürchten ist. Nachdem die Vitaminpaste oder ähnliches weggenommen wird und der Rest von der Schnauze geschleckt wurde, kann ein Angriff stattfinden. Anfangs sollte eines der beiden Frettchen vom Halter an einen anderen Standort verbracht werden, damit sich die Parteien nicht unmittelbar nach dem genüsslichen Schlecken bekämpfen können. Noch während das Leckerli angeboten wird, kann es passieren, dass ein Frettchen es bevorzugt anzugreifen. In jedem Fall ist es nötig, jegliche negativen Erlebnisse vorzeitig zu unterbinden. Das Ganze hat den Sinn, dass die Frettchen anfangen sich gegenseitig mit dem positiven Erlebnis zu assoziieren. Der Halter wird keine unmittelbaren Veränderungen in der Entwicklung der Vergesellschaftung erkennen, diese sind aber, wenn dies oft genug und korrekt durchgeführt wird, definitiv vorhanden.
Geduld
Eine der häufigsten Fragen ist, wie lange eine Vergesellschaftung dauern darf. Ein genauer Zeitraum kann nicht genannt werden, da es immer situationsabhängig ist. Erfahrungsgemäß ist eine Vergesellschaftung in einer Minute und bis zu einem Jahr abgeschlossen sein. Der Großteil dauert zwischen vier Wochen und sechs Monaten. Eine Vergesellschaftung gilt als erfolgreich, wenn die Frettchen harmonisch miteinander zusammenleben können, ohne das ein Tier permanent unter Stress steht.
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Kontrolle
Vergesellschaftungen können eine enorme körperliche und seelische Belastung sein. Alle Frettchen müssen regelmäßig kontrolliert werden. Dies beinhaltet die Kontrolle auf körperliche Verletzungen wie zum Beispiel tiefe Wunden im Nacken, sonstige Bissspuren, Kontrolle von Augen und Zähnen. Ein wunder und verkrusteter Nacken ist völlig normal und gehört zu einer Frettchenvergesellschaftung dazu. Gefährlich wird es bei tiefen und blutenden Wunden. Hierzu sollte ein Erfahrener Halter zu Rate gezogen werden, da viele Verletzungen weit schlimmer aussehen als sie tatsächlich sind. Während einem Gerangel kann es leider manchmal zu Verletzungen der Augen kommen. Jegliche Auffälligkeiten am Auge müssen umgehend einem fachkundigen Tierarzt vorgestellt werden.
Die seelische Belastung und das psychische Wohlbefinden sind nicht so einfach einzuschätzen. Wenn sich das Tier 24h in einer Höhle versteckt und keine Minute den Schutzbereich verlässt, ist dies kein gutes Zeichen. Gewichtsverlust ist ebenfalls ein Indiz für starke psychische Belastung. Eine Abnahme von 10% des Körpergewichts kann als grenzwertig angesehen werden, weshalb regelmäßig wiegen sehr wichtig ist. Dies ist lediglich ein grober Richtwert und kann sich, aufgrund natürlicher Gewichtsveränderung durch Sommer- und Winterzeit, enorm verändern. Auch hier gilt, immer einen erfahrenen Frettchenhalter zu Rate ziehen.

Positive Entwicklungen
- Gemeinsam Paste schlecken
- Nebeneinander Fressen
- Aneinander vorbeilaufen (ohne Gerangel)
- Schnuppern und weitergehen
- Abnahme der Anzahl von Rangeleien
- Weniger Gekreische
- Nahe aneinander liegende Schlafplätze
- Gegenseitiges Putzen


Negative Entwicklungen
- Starker Gewichtsverlust
- Verkriechen und permanente Angstzustände
- Angriffe auf Hals und Gesicht
- Tiefe Wunden am Nacken
- Bissspuren am Hals
- Permanentes Jagen
Einzelhaltung
Kein Frettchen will alleine sein, auch kein „altes“ Tier. Leider hört man immer wieder, dass Frettchen einzeln gehalten werden, da die Halter der Meinung sind, dass es lieber alleine wäre. Diese Aussagen stammen meistens von Haltern, die sich nicht der Aufgabe einer erfolgreichen Vergesellschaftung stellen möchten und die eigene Bequemlichkeit über das Wohlergehen des Tieres stellen. Auch für „schwierige“ Frettchen findet man die richtigen Gruppenpartner. Es kann sein, dass man viel Zeit und sehr weite Fahrten durch ganz Deutschland in Kauf nehmen muss, um den richtigen Partner zu finden. Auch wenn man mit der Frettchenhaltung aufhören möchte, ist dies kein Grund das letzte verbleibende Frettchen alleine zu halten. In dieser Situation muss man zum Wohl des Tieres handeln und das Frettchen in eine andere Gruppe abgeben. Die Verantwortung gibt man in so einer Situation nicht ab. Man sollte eine Vereinbarung treffen, um sich weiterhin um das Wohlergehen des Frettchens zu kümmern und zum Beispiel entstehende Kosten für Verpflegung und Tierarzt übernehmen. Auch das Alter zählt nicht als Ausrede. Ein acht jähriges Frettchen kann gut und gerne noch zwei Jahre oder länger leben. In diesem Zeitraum darf es nicht alleine sein, sondern benötigt einen passenden Partner.
Bei schwer kranken Frettchen muss eine Ausnahme gemacht werden. Wenn nur noch eine begrenzte Lebenserwartung prognostiziert wurde, sollte keinem Frettchen der Vergesellschaftungsstress zugemutet werden. In diesem Fall ist es tatsächlich besser, das betroffene Tier alleine zu halten und ihm einen wunderschönen Lebensabend zu bereiten.
Nachbarschaft
Die jeweilige Wohnsituation kann sich ebenfalls negativ auf eine Vergesellschaftung auswirken. Halter, die mit ihren Frettchen in einem Mehrfamilienhaus leben klagen immer wieder, durch die von dem Gekreische hervorgerufene Lärmbelästigung, über enorme Ängste bezüglich des gefährdeten Hausfriedens. Der regelmäßige Lärm könnte Nachbarn verärgern, weshalb es zu Problemen in der Wohngemeinschaft führt. Viele Halter fangen an enorm gestresst und genervt zu reagieren, wenn die Vergesellschaftung wieder laut wird und greifen sogar unbedacht ein. Diese Anspannung überträgt sich negativ auf die Frettchen und beeinflusst den erfolgreichen Werdegang negativ.
Abhilfe schafft in dieser Situation lediglich die offene Kommunikation mit der Nachbarschaft. Sprecht mit euren Nachbarn und erklärt ihnen den Ablauf der Vergesellschaftung. Teilt ihnen mit, das es die nächsten sechs Monate immer wieder laut werden kann, auch nachts. Lasst euch frühzeitig informieren, sobald der Lärm störend wird, um gegebenenfalls entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Dies könnte zum Beispiel ein Schließen der Fenster während der Nacht sein.
Trennen
Sobald eine Vergesellschaftung gestartet wurde, wird diese nicht mehr unterbrochen, außer in besonderen Situationen wie zum Beispiel Verletzungen oder Krankheit. Das Trennen und wieder Zusammenführen bedeutet immer einen Neustart der Vergesellschaftung, die im schlimmsten Falle mit einer Steigerung der Abneigung gegeneinander beginnt.
Erstmal beschnuppern lassen
Häufig wird bei Vergesellschaftungen dazu geraten, die Tiere in Käfigen nebeneinander zu setzten, damit sie sich in Ruhe beschnuppern und kennenlernen können. Dies ist ein großer Fehler. Dadurch, dass die Frettchen keinen direkten Kontakt zueinander aufbauen und ihrem natürlichem Sozialverhalten nachgehen können, bauen sich Aggressionen gegenüber der anderen Partei auf. Werden sie nun zusammengesetzt, kann dies ein sehr viel problematischer Start der Vergesellschaftung sein, als hätte man sie direkt zusammengelassen.
Platzangebot
Frettchen brauchen Platz, Frettchenvergesellschaftungen brauchen noch mehr Platz. Die Tiere müssen sich aus dem Weg gehen können und genügend Lauffläche zur Verfügung haben, um Konflikte zu vermeiden. Meine Empfehlung beläuft sich auf ein 15m² Zimmer. Positiv ist es, wenn während der Vergesellschaftung noch mehr Platz zu Verfügung steht, durch Bereitstellung anderer permanent verfügbarer Räumlichkeiten. Desto mehr Platz zur Verfügung steht, desto harmonischer läuft die Zusammenführung statt.
Auf Käfig, Voliere und ähnliche Haltungsformen gehe ich nicht ein, da Frettchen in derartig begrenzten Lebensräumen nicht gehalten werden dürfen.
Auch nicht NUR NACHTS, NUR WÄHREND DER ARBEIT oder NUR BEI ABWESENHEIT.
Hilfsmittel
Bitter-Apple, Vulnoplant und ähnliche Mittel können den Verlauf positiv beeinflussen. Dies sind Mittel, die das Nackenbeißen beeinflussen können. Bitter-Apple wird auf den Nacken aufgetragen und trocknet dort. Sollte nun ein Frettchen in den behandelten Nacken beißen, wird dieses einen extrem bitteren Geschmack wahrnehmen, da der Bitterstoff durch den Speichel gelöst und aufgenommen wird. Häufig lässt das Frettchen schnell wieder los und lernt mit der Zeit, dass es unschön ist in den Nacken zu beißen. Positiver Effekt dieser Methode ist, dass das schwächere Frettchen wesentlich entspannter wird, da sich die Angst vor heftigen Angriffen reduziert. Auf frischen Wunden brennt Bitter-Apple, daher sollte es nicht auf offene, sondern erst auf verkrustete Wunden aufgetragen werden.
Eine ähnliche Wirkung hat Vulnoplant. Dieses schmeckt jedoch nicht ganz so schlimm, hat dafür andere positive Eigenschaften. Vulnoplant hat eine wundheilungsfördernde Wirkung. Diese Kombination sorg dafür, dass der Nacken vor Angriffen geschützt ist und gleichzeitig die Wundheilung gefördert wird. Für den bestmöglichen Effekt ist die jeweilige Behandlung dreimal täglich zu wiederholen.
Es ist zu beachten, dass diese Maßnahme rechtzeitig abgesetzt wird, da sie ansonsten die letzten Schritte der erfolgreichen Beendigung der Vergesellschaftung negativ beeinflussen kann. Durch gegenseitige Fell- und Ohrenpflege, pflegen Frettchen ihre sozialen Kontakte zueinander und zeigen ihre Zuneigung. Eine Behandlung des Nackens verhindert das hineinbeißen, verhindert aber auch eine engere positive Kommunikation miteinander.
Erfolgsversprechende Konstellation
Jedes Frettchen kann sich mit jedem anderen Frettchen verstehen, oder auch nicht. Es muss darauf geachtet werden, dass sie zueinander passen. Die Faustregel heißt: Maximal 2 Jahre Altersunterschied und Welpen niemals alleine.
Mit zunehmendem Alter sinkt die Aktivität der Frettchen, weshalb es bei Vergesellschaftungen zu Konflikten kommen kann. Junge Frettchen werden die älteren, aufgrund des höheren Aktivitätsdrang, so lange „nerven“, bis es zu eskalierenden Konflikten kommt.
Welpen, im Alter von bis zu circa einem Jahr, haben unvorstellbar viel Ausdauer und wollen Beschäftigt werden. Daher sollten Welpen grundsätzlich zu zweit vermittelt werden, damit sie miteinander toben können. Bei diesen Energiebündeln wird kein älteres Frettchen mithalten können, was zu Frustration der Jungtiere führt. Entsprechende Verhaltensauffälligkeiten sind die Folge.
Natürlich gibt es auch ältere Tiere die sich „gut gehalten haben“ oder große Frettchengruppen mit unterschiedlich alten Tieren. Dies sind Situationsbedingte Ausnahmen, in denen andere Konstellationen gut funktionieren können.

Kastration


Während der Ranz ist besonders bei Rüden mit enormen Problemen für den Verlauf einer positiven Vergesellschaftung zu rechnen. Aufgrund des Hormonchaos im Körper, können sich starke Aggressionen oder Zuneigungen zu anderen Frettchen entwickeln. Rüden versuchen andere Gruppenmitglieder zu bekämpfen, oder zu beglücken. Dies beinhaltet Nackenbisse, Kämpfe etc., was eine enorme Belastung für die restliche Gruppe bedeutet. Sollte ein ranziger Rüde vergesellschaftet werden, ist abzuwägen, ob es besser ist diesen zuerst kastrieren zu lassen und zu warten, bis die Hormone abgebaut sind.
Ähnliches gilt für Fähen, jedoch nicht so extrem.
Nach erfolgter Kastration dauert es ca. 4-6 Wochen bis die Hormone weitestgehend abgebaut sind und mit einem normalen Verhalten zu rechnen ist.
Krankheiten
Es ist bekannt, dass durch Stress Krankheiten ausbrechen können. So ist es möglich, dass während einer Vergesellschaftung Giardien, Milben oder Kokzidien ausbrechen, ohne Ansteckung von außen. Leider kann auch die Tumorbildung und andere Schlimme Krankheiten durch den Stress begünstigt werden.
Alternative Methoden und Verfahren
Selbstverständlich wurden hier nicht alle möglichen Tipps aufgeführt, dies würde den Rahmen sprengen. Ich habe versucht die wichtigsten Informationen einzubauen, um ein ausreichendes Verständnis für Frettchenvergesellschaftungen zu vermitteln.
Social Media
Im heutigen Zeitalter ist niemand mehr alleine, jeder bekommt Hilfe. Du musst nur danach fragen. Vielleicht hast du dich des Öfteren beim lesen dieses Textes gefragt, wie du einen erfahrenen Halter zur Beurteilung der Vergesellschaftung fragen sollst, wenn du keinen kennst. Heutzutage stellt dies absolut kein Problem mehr dar. Suche dir eine Plattform, zum Beispiel ein Frettchenforum oder eine Facebookgruppe, und frage nach Hilfe. Es ist so einfach wie noch nie Videos mit dem Smartphone aufzunehmen und mit anderen zu teilen, um beratende Hilfe bei der Vergesellschaftung zu erhalten.
Oft verfahren vermeintlich erfahrene Halter nach veralteten Methoden oder haben unvorteilhafte Ansichten. Hierzu bietet es sich ebenfalls an, einfach mal eine andere Meinung einzuholen und damit die bestmöglichen Lebensumstände für die geliebten Fellnasen zu schaffe