Warum Obst, Gemüse und Getreide schlecht für Frettchen sind

Frettchen sind obligate Karnivoren, d.h. ihr Verdauungstrakt ist auf Fleisch und Beutetiere ausgelegt. Das sieht man nicht nur am Gebiss, das zum Reißen (Reißzähne) und Zersäbeln (Backenzähne) der Beute ausgelegt ist, sondern auch an dem sehr kurzen Magen-Darm-Trakt, dem der Blinddarm fehlt und der einen sehr kurzen Dickdarm hat.

Frettchen fressen auch mit ihren Futtertieren normalerweise keine pflanzlichen Bestandteile. Den Magen-Darm-Trakt von größerer Beute (so ca ab adulter Maus) schütteln sie nämlich meistens aus der Beute raus und fressen nur den Rest des Tieres.
Entgegen anders lautender Gerüchte können Frettchen aber Kohlenhydrate und andere pflanzliche Nährstoffe leider durchaus verdauen. Könnten sie sie nicht verdauen, dann würden ihnen viele Probleme erspart bleiben.

Erstmal zu den Kohlenhydraten: Frettchen haben die Verdauungsenzyme, um Kohlenhydrate (Stärke und Zucker wie Saccharose und Glukose) zu spalten und aufzunehmen. Dadurch steigt in Folge einer Mahlzeit mit Kohlenhydraten der Blutzuckerspiegel stark an. Wie beim Menschen produziert die Bauchspeicheldrüse des Frettchens als Antwort auf einen hohen Blutzuckerspiegel Insulin. Im Gegensatz zum Menschen ist beim Frettchen allerdings die Bauchspeicheldrüse nicht auf wiederholt hohe Blutzuckerspiegel ausgelegt und muss deshalb Schwerarbeit nach jeder Kohlenhydratration leisten. Um sich diese Arbeit zu erleichtern, passt sich die Bauchspeicheldrüse an und beginnt zu wachsen, wie ein Muskel beim Krafttraining. Nur dass Bauchspeicheldrüsen nicht für dieses vermehrte Wachstum ausgelegt sind. Die Zellteilung wird immer unkontrollierter, ein Insulinom, d.h. ein Tumor (oder mehrere Tumoren) der Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse entsteht. Und dieser Tumor produziert immer mehr Insulin, oft auch, ohne dass der Blutzuckerspiegel erhöht ist. Das Insulin senkt den Blutzuckerspiegel trotzdem, das Frettchen unterzuckert. Diese Unterzuckerung führt zu Schwäche und Müdigkeit, später zu Zittern und Krampfanfällen, bis hin zu Koma und Tod. Insulinom kann man nur symptomatisch und lebensverlängernd behandeln, selbst wenn der/die Tumor/en entfernt werden, kommen sie wieder. Heilung ist unmöglich.

Eine andere Gefahr, die von pflanzlichen Inhaltsstoffen droht, sind Nierensteine. Es gibt drei verschiedene Arten Nierensteine, die beiden häufigsten entstehen vor allem, wenn der Urin basisch wird. Der pH-Wert des Urins hängt von der Aminosäurezusammensetzung der Nahrungsproteine ab. Fleisch führt zu saurem Urin, pflanzliche Nahrung zu basischem. Frettchen (und Katzen), die Katzenfutter mit einem hohen Anteil an pflanzlichen Bestandteilen bekommen, leiden deswegen häufig an Nierensteinen und Harngries.