Die Kastration ist dringend anzuraten. Frettchen werden zwischen 6-12 Monaten geschlechtsreif (Bei einer Pärchenhaltung bitte so früh wie möglich trennen und chemisch oder operativ Kastrieren, um eine ungewollte Trächtigkeit zu verhindern !)
Bei den Rüden senken sich die Hoden sichtbar ab, sie markieren, fangen an sehr streng zu riechen und zeigen "Paarungsverhalten“ an allen Partnern (Nackenbiss, umherschleifen des Partners). Die kann zu Unruhen und Kämpfen innerhalb der Gruppe führen, da die hormongesteuerten Rüden mit Ihrem Verhalten andere Rudelmitglieder belästigen und verletzen können. Bei Fähen schwillt die Vulva langsam an, weißer schleimiger Ausfluss ist zu sehen, sie riechen strenger und sind meist sehr gereizt.

Dauerranz
Wird die Fähe geschlechtsreif (ab ca. 6 Monaten, meist Frühjahr), produziert ihr Körper Östrogen und wird damit fruchtbar, man spricht hierbei von der Ranz. Wenn eine Fähe länger als 6 Wochen in der Ranz ist, spricht man von einer Dauerranz. Der Körper, der Fähe, produziert zu viel und zu lange Östrogen (Hyperöstrogenismus). Dies ist extrem gesundheitschädigend für die Fähe und führt z.B. zu Knochenmarksdepression, Haar- und Gewichtsverlust, blassen Schleimhäuten, Blutungen im zentralen Nervensystem, innere Blutungen, zu eitrigen Gebährmutterentzündungen und schlimmstenfalls zum Tod !
Deshalb ist die Kastration der Fähe dringend anzuraten.

Operative Kastration:
Diese bitte erst ab einem Alter von 10 Monaten, da der Körper sonst noch nicht ausgewachsen ist ! Eine zu frühe Kastration steht im Verdacht Nebennierentumore zu begünstigen (alternativ chemische Kastration).
Beim Rüden werden beide Hoden entfernt. Er ist nach der Kastration jedoch noch 6-8 Wochen zeugungsfähig !
Bei Fähen werden Eierstöcke (bei Entartungen der Gebährmutter auch diese) entfernt. Das verhindert die Lebensbedrohliche Dauerranz. Eine Sterilisation ist NICHT ausreichend, bei dieser kann die Fähe trotzdem in eine Dauerranz verfallen !

Nach der Kastration sind die Tiere meistens wieder sehr schnell fit. Ein trennen des frisch kastrierten Tieres von der Gruppe ist nur nötig, wenn sie sehr rabiat miteinander umgehen (Vergesellschaftung, grobes Spielen) und die Wundheilung beeinträchtigt wird oder die Wunde sogar auf geht. Tiere aus Außenhaltung sollten 1-2 Tage in der sauberen Wohnung oder bei kalten Witterungsverhältnissen im Keller (die geheizte Wohnung ist zu warm) untergebracht werden. Regelmäßiges kontrollieren der Wunde ist wichtig, um einem Aufknabbern bzw. Auflecken der Wunde rechtzeitig zu erkennnen.

Chemische Kastration:
Der Chip wird meist bei frühreifen Tieren (unter 10 Monate) gesetzt, die noch zu jung für eine Kastration sind.
Es handelt sich um einen Hormonchip (Suprelorin Chip 4,7mg), der zwischen die Schulterplatten gesetzt wird und die Produktion von Testosteron und Östrogen beeinträchtigt. Der Wirkstoff Deslorelin ähnelt dem körpereigenen Hormon GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormon). Dieses Hormon sorgt dafür, dass im Körper die Produktion von Geschlechtshormonen gesteuert wird. Der Wirkstoff Deslorelin blockiert bestimmte Rezeptoren und sorgt damit für das Signal, dass ausreichend Geschlechtshormone vorhanden sind. Dies führt dazu, dass der Körper die Produktion von Geschlechtshormonen einstellt. Er hat eine Wirkdauer von circa 14 Monaten bis 3 Jahre und muss danach erneut gesetzt werden.
Bei beiden Geschlechtern sollte man diesen erst ab einem Alter von 7 Monaten setzen lassen.

Rüden:
Nach dem setzen des Chips schrumpfen die Hoden und beenden die Testosteronproduktion. Deshalb darf der Chip erst nach dem vollständigen Absenken beider Hoden gesetzt werden. Die Hoden befinden sich vor der Geschlechtsreife im Bauchraum des Rüden und senken sich bei erreichen der Geschlechtsreife immer weiter ab, bis diese vollständig ausgebildet sind. Sollte der Chip vor dem vollständigen absenken der Hoden gesetzt werden, können diese zurück in die Leiste wandern und schlimmstenfalls tumorös entarten. Bitte diesbezüglich Rücksprache mit dem behandelnden Tierarzt halten. Deswegen ist die Setzung des Chips bei Rüden mit Hodenhochstand (Kryptorchismus) nicht empfehlenswert.

Die Rüden sind noch bis zu 6-8 Wochen zeugungsfähig.
Das Sexuelle Verlangen/ Interesse lässt nach ungefähr 2-6 Wochen nach.
Der Suprelorin Chip ist nur für Rüden auf Dauer geeignet, doch auch bei diesen kann er zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. In Studien wird beschrieben, dass es durch den Chip zu Prostatahypertrophie (Vergrößerung der Prostata) kommen kann. Dieser Fall ist in der Praxis bei einem 3 Jahre alten Frettchenrüden bekannt.

Fähen:
Der Chip darf nur außerhalb der Ranz (noch keine Vulvaschwellung, Ranzgeruch) gesetzt werden, sonst kann er zu einer Dauerranz führen, deshalb ist er auch keine Therapiemöglichkeit bei Frettchen in der Dauerranz.
Man könnte die Fähe mittels einer Hormonspritze aus der Ranz/Dauerranz holen, um sie dann hormonell zu kastrieren. Jedoch ist dies eine sehr hohe hormonelle und körperliche Belastung für die Fähe und sollte nicht leichtfertig angewandt werden. Es wäre über eine operative Kastration nach zu denken, trotz des jungen Alters.
Fähen sind nach Setzung des Chips noch 6-8 Wochen aufnahmefähig.
Eine Schwellung der Vulva kann auftreten, da der Östrogenspiegel durch den Chip kurzzeitig ansteigt (teilweise über wenige Stunden), jedoch sollte diese nach spätestens 4 Wochen zurück gehen.
Bei Fähen ist der Chip nicht als Dauermedikament geeignet und vom Hersteller auch nicht zugelassen. Er kann Symptome einer Gebärmutterentzündung verdecken, oder diese begünstigen. Deshalb sollten sie ein Jahr nach Setzung des Chips operativ kastriert werden.
Bei Löwinnen im Zoo entstehen immer wieder Gebärmutterentzündungen nach Dauernidationsverhütung, bei Katzen und Hunden ist dies ebenfalls bekannt. Das ist der Grund für die Zulassungsbeschränkung nur für männliche Tiere.

Ob der Chip eine Auswirkung auf die Fruchtbarkeit der Tiere hat, ist nicht vom Hersteller erforscht.
Von Hunde- und Katzenzüchtern wird jedoch berichtet, dass ihre Zuchttiere keinerlei Einschränkungen in der Fruchtbarkeit hätten, nach nachlassen des Chips (ohne Gewähr). Dieser wird den Zuchttieren meist in die Bauchnabelregion implantiert um ihn bei Bedarf zu entfernen. Ein eindeutiges Nachlassen des Chips kann nur mittels eines Bluttestes (Hormon Testosteron) herausgefunden werden. Zudem kann man die Fruchtbarkeit der Spermien prüfen lassen.
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