Das Insulinom, ein meist gutartiger Tumor der Bauchspeicheldrüse, ist leider eine sehr häufige Krankheit bei Frettchen. Der Tumor bildet Insulin und führt dadurch zu einem Abfall des Blutzuckerspiegels (Unterzuckerung). Vereinfacht gesagt: das Gegenteil von Diabetes. Die korrekte Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse ist ausgesprochen wichtig um den benötigten Blutzuckerspiegel im Körper konstant zu halten. Gerät der Blutzuckerspiegel aus dem Gleichgewicht, in unserem Fall durch Unterzucker, macht sich dies durch Koordinationsprobleme (Umkippen, Wegknicken der Hinterläufe), Trägheit, vermehrtes Schlafen, Gewichtsverlust und Krampfanfälle bemerkbar. Dies sind nur einige typische Symptome. Liegt der Blutzuckerspiegel bei unter 50 mg/dl (2,8 mmol/l) kann dies ein Anzeichen für ein Insulinom sein. Bei Werten um 20 mg/dl (1,1 mmol/l) kann man sehr wahrscheinlich von einem Insulinom ausgehen. Zusätzlich kann der Langzeitzuckerwert, Fructosamin genannt, bei der Diagnose helfen. Dieser Wert spiegelt in etwa die Blutzuckerkonzentration der letzten zwei bis drei Wochen wieder. Fructosamine (Referenzwert 128-201 µmol/l) sind Proteine des Blutes, an die sich Glukose fest und praktisch unlösbar gebunden hat. Da diese Reaktion unumkehrbar ist, verschwinden die Fructosamine aus dem Blut erst, wenn der Körper die kompletten Proteine mitsamt der Glukose abbaut. Mittels Ultraschalluntersuchung kann die Diagnostik unterstützt werden. Insulinome können aufgrund ihrer geringen Größe nur selten dargestellt werden. Die Ultraschalluntersuchung ist dennoch anzuraten, um Hinweise auf Metastasen oder Begleiterkrankungen zu erhalten.

Wenn die erhöhte Insulinproduktion noch nicht zu weit fortgeschritten ist, kann der Blutzuckerspiegel alleine durch die Ernährung konstant gehalten werden. Durch das Zufüttern von z.B. “Fleischbrei” kann versucht werden den Blutzuckerspiegel konstant zu halten. Dies muss mehrmals täglich in kleinen Mengen erfolgen. Die genaue Dosierung muss jeweils an die aktuelle Situation angepasst und bei Bedarf verändert werden. Wenn diese Methode nicht ausreicht muss mit Medikamenten behandelt werden. Üblicherweise werden Insulinome mit Prednisolon (Cortison) und / oder Proglicem (Diazoxid) behandelt. Zu beachten ist dass Prednisolon eine Wirkdauer von zwölf Stunden hat, Proglicem hingegen nur acht Stunden wirkt. Ebenfalls muss sich jeder Halter über die Nebenwirkungen von beiden Medikamenten bewusst sein. In manchen Fällen kommt das betroffene Frettchen mit zweimaliger Verabreichung von Proglicem “gut über den Tag”. Sollte dies nicht der Fall sein und eine Medikamentengabe, im Abstand von exakt 8 Stunden nicht gewährleistet werden kann, ist die Verwendung von Prednisolon in Erwägung zu ziehen. Bei der Verabreichung von Proglicem in Kombination mit Prednisolon können beide Medikamente auf eine sehr geringe Dosis reduziert und der gesamte Tag abgedeckt werden. Eine operative Entfernung des Tumors ist möglich, jedoch sehr schwierig. Dies sollte ausführlich mit dem Tierarzt besprochen werden. Insulinompatienten können bei guter Behandlung noch einige glückliche und beschwerdefreie Jahre vor sich haben.
Die optimale Ernährung eines gesunden Frettchen ist schon nicht einfach, noch schwieriger wird es mit einem an Insulinom erkrankten Tier. Erkrankte Frettchen dürfen keinerlei Zucker und so wenig Kohlenhydrate wie möglich zu sich nehmen. Die mit der Nahrung zugeführten Kohlenhydratmoleküle werden durch die Verdauung in Glukose (Traubenzucker) umgebaut. Die Problematik an der Geschichte wird in diesem kleinen Comic verdeutlicht. Ausgangsituation ist ein ausgewogener Blutzuckerspiegel. Wir gehen davon aus, dass sich Insulin und Zucker im Gleichgewicht befinden. Nimmt der Patient Zucker oder Kohlenhydrate (diese werden im Körper zu Zucker umgebaut) zu sich, wird das Gleichgewicht gestört und der Organismus des Frettchens versucht das Gleichgewicht wieder herzustellen. Um den “Überzucker” zu senken, wird eine hohe Menge Insulin ausgeschüttet. Das Insulin “vernichtet” den Zucker und senkt somit den Blutzuckerspiegel. Ab jetzt wird es gefährlich. Das Insulin ist so stark das nahezu der gesamte Zucker “vernichtet” wird. Resultierend aus dieser Situation fällt das Frettchen in einen starken Unterzucker, da das Insulin zu viel Zucker “vernichtet” hat.
Insulinom Comic1
Insulinom Comic2
Insulinom Comic3
Insulinom Comic4
Wenn ein Tier aufgrund von Unterzucker bereits instabil ist, Schaum / Speichel vor dem Maul ist ein Anzeichen, sind Erste Hilfe Maßnahmen erforderlich. Wenn das Tier noch schlecken und schlucken kann, kann in Wasser aufgelöster Traubenzucker oder besser eine Glukose-Paste zum Beispiel Jubin (erhältlich in der Apotheke) verabreicht werden. Eine Verbesserung der Situation ist bereits nach weniger als zehn Minuten erkennbar. Im Extremfall ist das Frettchen komatös und kann weder schlecken noch schlucken. Wer es sich zutraut und entsprechend ausgerüstet und ausgebildet ist, kann subkutan (unter die Haut) eine Glukose-Lösung spritzen. Alternativ kann das Zahnfleisch mit Jubin eingerieben werden, der Zucker wird dann über die Schleimhäute aufgenommen. Die weitere Versorgung durch den Tierarzt ist unerlässlich.