Chronische Niereninsuffizienz bedeutet, dass eine andauernde unzureichende Nierenfunktion besteht. Eine CNI ist nicht heilbar und die Nierenfunktion verringert sich sogar stetig. Mit der geeigneten Medikation und Ernährung kann das Frettchen noch einige glückliche Jahre vor sich haben.

Symptome:
übermäßige Flüssigkeitsaufnahme, hohe Urinmenge, Trägheit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Dehydrierung

Diagnose:
Eine CNI wird in der Regel mittels Blutbild diagnostiziert. Hierbei wird auf den Kreatininwert geachtet. Richtwerte sehen wie folgt aus:

0.35 mg/dl (30.8 µmol/l) - 0.9 mg/dl (79.56 µmol/l)

Dies sind lediglich grobe Richtwerte. Kreatinin wird mithilfe eines Algorithmus aus vielen verschiedenen Parametern berechnet. Die Ergebnisse unterscheiden sich von Messgerät zu Messgerät. Aus diesem Grund sollte der Kreatininwert lediglich mit dem Referenzwert des jeweiligen Labors beurteilt werden.

Ebenfalls kann die Proteinurie mittels Teststreifen gemessen werden. Bei einer unbehandelten CNI werden vermehrt Proteine über den Urin ausgeschieden. Die Proteinurie kann durch andere Krankheiten ausgelöst werden und ist daher kein eindeutiges Anzeichen einer CNI.

Kreatinin:
Das Kreatinin wird von der Muskulatur gebildet, ans Blut abgegeben und über die Nieren ausgeschieden. Wenn jetzt also ein Nierenschaden vorliegt, kann das Kreatinin nicht mehr so gut eliminiert werden und die Konzentration im Blut steigt an.
Das Problematische an der ganzen Geschichte ist, dass der Anstieg erst bei einem Verlust von ca. 50% der Nierenleistung beginnt. Bis dahin können die Nieren den Funktionsverlust eigenständig abfangen und durch erhöhte Leistung kompensieren.
Ein Anstieg des Kreatinin von z.B. 0.6 mg/dl auf 1.6 mg/dl ist wesentlich kritischer anzusehen als ein Anstieg von z.B. 2.0 mg/dl auf 3.5mg/dl.

Behandlung:
Die Medikation erfolgt mittels ACE-Hemmer wie z.B. Semintra oder Prilium.
ACE-Hemmer sorgen dafür, dass sich die Blutgefäße weiten und den Blutdruck senken. In Bezug auf eine CNI bedeutet dies, dass das Blut länger in den Nieren verbleibt und somit “besser” gereinigt wird. Dies kann zu einem Rückgang des Proteins im Urin führen, wodurch das Fortschreiten der CNI möglicherweise verlangsamt wird.

Hierbei ist Semintra zu bevorzugen, denn es wurde speziell für den Einsatz bei CNI Katzen entwickelt. Prilium wird normalerweise zur Behandlung von Herzkrankheiten eingesetzt. Da es größtenteils über die Nieren ausgeschieden wird, ist es nicht die beste Wahl.

Ernährung:
Viel Flüssigkeit ist das Wichtigste bei erkrankten Frettchen. Die Fütterung von Trockenfutter sollte vermieden werden und wenn, dann nur in Wasser eingeweichtes Trockenfutter gefüttert werden. Fleisch enthält ca. 75% Wasser, Trockenfutter hingegen ca. 7%.
Um die Wasserzufuhr zu steigern, kann eine Fleischbrühe (ohne Gewürze) gekocht werden. Diese Brühe wird sehr gut angenommen und steigert die Flüssigkeitszufuhr.

Von speziellem Nierendiätfutter ist dringend abzuraten. Frettchen haben einen enorm hohen Proteinbedarf und würden mit einer proteinreduzierten Ernährung langsam aber stetig “verkümmern”. Der Allgemeinzustand der Frettchen nimmt durch die reduzierte Proteinzufuhr stetig ab und die Lebensqualität wird enorm beeinträchtigt. Wichtiger ist, darauf zu achten, dass hochwertige Proteine gefüttert werden. Zumal eine so genannte Nierendiät zumeist einen erhöhten Kohlenhydratanteil aufweist (um die Kalorien vom reduzierten Proteinanteil zu kompensieren), was bei Frettchen zu zusätzlichen Problemen im Stoffwechsel führt.

In Bezug auf Frettchen versteht man unter hochwertigen Proteinen Fleisch/Fisch und unter “minderwertig” Proteine aus pflanzlichen Quellen (Getreide, Reis, Kartoffeln, Rüben etc). Leider ist es so, dass in jedem trockenen Fertigfutter (Trockenfutter, viele Leckerlis etc.) ein Anteil an pflanzlichen Proteinen beinhaltet ist. Hierbei ist es völlig egal, ob der Futtermittelhersteller mit “hochwertigen Proteinquellen” wirbt. Durch die Zugabe der pflanzlichen Bestandteile, die zwingend benötigt werden um die Trockenmassen in Form zu halten, fällt die Gesamtqualität des Trockenfutters.

“Royal Canin Convalescence Support” enthält ein hochwertiges Protein mit wenig Abfallaminosäuren, die über die Niere abgebaut werden müssen. Außerdem enthält “Royal Canin Convalescence Support” kaum Phosphat, was ebenfalls zur Schonung der Nieren beiträgt. Conva eignet sich also zum Zufüttern oder zur Medikamentengabe sehr gut.

Weitere hochwertige Energiequellen sind Lachsöl und Kokosfett. Kokosfett ist zwar ein pflanzliches Fett, stellt aber eine Ausnahme unter den Pflanzenfetten dar (mehr Informationen dazu im Informationsbereich unter “Kokosfett”). Ebenfalls ist fettiges Fleisch (bspw. Gans mit Haut), magerem Fleisch (bspw. Pferd), vorzuziehen. Diese Fettquellen dienen dazu, die Kalorien bei leicht reduzierter Proteingabe auszugleichen. Eigelb eignet sich hier ebenfalls.

Desweiteren ist darauf zu achten, die Phosphatzufuhr über die Nahrung zu minimieren.
Phosphat aus der Nahrung, hauptsächlich in Knochen enthalten, wird bei gesunden Frettchen über die Niere eliminiert. Bei fortgeschrittener CNI kann die Niere ihre Aufgabe innerhalb des Phosphatstoffwechsels immer weniger nachkommen und der Phosphatspiegel im Blut steigt an. Um den Phosphat- und Calciumspiegel zu kontrolieren, sind regelmäßige Blutbilder nötig. Bei einem niedrigen Calciumspiegel, aufgrund der phosphatreduzierten Ernährung, ist der Einsatz von spieziellen Phosphatbindern nötig. Dies muss der behandelnde Tierarzt entscheiden.

Phosphat wird über das Phosphor in Nahrungsmitteln aufgenommen. In dieser Übersicht sind einige frettchentypische Nahrungsmittel nach ihrem Calcium-Phosphor-Gehalt (Calcium-Phosphor-Verhältnis sollte bei gesunden Tieren bei ca. 1,1:1 bis 1,5:1 liegen) aufgeführt:
Eine gute Ernährung bei CNI Frettchen sieht also folgendermaßen aus.
Kein Trockenfutter, viel Flüssigkeit, hohe Proteinqualität und Vermeidung von erniedrigtem Calciumspiegel (Mäuse), ausschließlich/hauptsächlich Frischfleisch, wenig Knochenanteil (phosphatarm).